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Heute beginnt Fastenzeit oder auch Passionszeit genannt. Im Christentum wird sie in den 40 Tage bis Ostern am Aschermittwoch begonnen, auch im Ramadan beginnt heute die Fastenzeit, die bis zum 20. März dauert. Auch wenn sich Fastenzeiten in Form und Ausrichtung unterscheiden, sind sie in den Religionen tief doch verankert. 

 

Sie laden zur Besinnung ein, zum Überprüfen, was ich an Überflüssigem loslassen kann. Sie orientieren sich am Innehalten, an der Suche nach Gottes Nähe. 

 

Auch wer nicht religiös ist, schätzt diese Unterbrechungen. Die Aktion „7 Wochen ohne“ ist auch Menschen bekannt, die nicht einer Kirche angehören. Sie ist eine Form der religiösen oder auch weiter gefasst, der spirituellen Praxis. Sie trägt dem Bedürfnis Rechnung, für eine begrenzte Zeit etwas zu probieren und eine neue Form der Selbsterfahrung zu ermöglichen. 

Ich mag diese Unterbrechung. Ich schätze es, wenn ich herausgefordert bin, aus meiner Komfortzone herauszutreten. Die Passionszeit hilft mir, wie alle Zeiten im Kirchenjahr, einen Rhythmus in Jahresverlauf zu finden. 

Kurz vor Aschermittwoch bin ich auf einen Text von Nadia Bolz-Weber, einer lutherischen Pfarrerin aus Denver, Colorado gestoßen. Sie ist bekannt als tätowierte Pfarrerin, die sich für eine neue Sexualmoral der Kirche ausspricht, 2008 hat sie das „House of all Sinners and Saints“ gegründet und verdeutlicht so, für was sie steht: Eine christliche Religion, die die Individualität jedes einzelnen wertschätzt. Ihr Text hat mich inspiriert, wie ich die diesjährige Passionszeit gestalten will. 

Dieses Jahr, so schreibt sie: „I should give up the failed notion that what I read and see on the internet is a complete and accurate depiction of the world—and instead actively look for how beautiful it can be.“ Sie will die Vorstellung aufgeben, dass das, was sie im Internet sieht und liest, eine vollständige und wahrhaftige Darstellung der Welt ist. Stattdessen will sie aufmerksam sein dafür, wie schön die Welt ist. Das klingt fast naiv, weltabgewandt. Und deshalb schreibt sie gleich den einen Satz hinterher: „Ich tue dies alles nicht, um die Welt zu ignorieren.“ Es erinnert mich an eine Zeile von Berthold Brecht „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist“…

Was sie nun aber als Praxis für die Passionszeit vorschlägt, hat allen Grund, eine echte Herausforderung zu werden: Aufmerksam zu sein in „real time and real life“, das heißt auch, nichts, was ich im Internet an schönen Texten und überraschenden Berichten gesehen oder gelesen habe. Real Time, real Life heißt: Das was ich selbst erlebt habe. Die Momente oder einen Moment am Tag einzufangen, der schön war. Das kann ein kurzer Wortwechsel mit einem Fremden sein, genau so wie eine gerade aus dem Boden schauende Blumenspitze. Und dann: Aufschreiben, posten, ins Tagebuch – wie auch immer. 

Ich merke schon beim Lesen des Vorschlags, wie er mich ausrichtet und in eine andere Haltung bringt. Ich werde hier darüber schreiben, wie es mir geht und welche schönen Momente ich im realen Leben einfange und damit meine Aufmerksamkeit neu ausrichte. 

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