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Wer sieht mich, wie ich bin? 

“Ich war immer die Beste. Das war es auch, was andere Menschen mir an Feedback zurück gegeben haben: Du bist leistungsstark, du kannst es.” So erzählt es mir die junge Frau. 
Bin ich das? Oder bin ich das nur? Ich weiß, wie sehr sie sich in den letzten Jahren mit diesen Fragen gequält hat. Ihr Selbstwertgefühl hing viel von ihren Leistungen ab, dementsprechend angespannt wirkte sie auch in vielen Situationen. Das Feedback hat sie oft ratlos zurück gelassen. Vielleicht, weil sie spürte, eigentlich will ich, dass die anderen mal eine andere Seite an mir wahrnehmen, eine Seite, die nicht nur das sieht, was ich kann, sondern die sieht, wie ich bin.  
 
Nun hat sie ein Soziales Jahr gemacht und erhält zum Abschluss eine Karte ihrer Kolleg:innen. Sie danken ihr für ihre Art, die jeden Dienst einfacher und auch freundlicher gemacht hat. Sie hat Tränen in den Augen, als sie davon erzählt. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass jemand mir sagt, wie wohltuend ich als Mensch bin, sagt sie. 
 
Die Worte beflügeln sie. Sie spürt: Es gibt mehr als das, was ich kann. Und meine Art scheint anderen gut zu tun. Ich freue mich für sie und für den Wind unter den Flügeln, der sie leicht werden lässt und weich. Ich habe das Gefühl, diese Worte könnten sei weit tragen. Hoffentlich nimmt sie die Worte Huckepack und bringt sie sicher in neue Gefilde, die nun auf sie warten. 
 
Wann hast du das letzte mal jemandem gesagt, wie wohltuend es ist, wie er/sie ist? 
Wer sieht dich, wie du bist? 
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