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„Ich bin völlig uninspiriert“- wer so etwas sagt, befindet sich entweder in schlechter Gesellschaft, in großer Erschöpfung oder ist unfreiwillig ganz auf sich allein gestellt. Mit anderen Worten: Er oder sie ist dem Tod näher als dem Leben. Diese wohlmöglich etwas krass wirkende Formulierung trifft es aber deutlich den Punkt. Inspiriert spüre ich das Leben, nehme Bewegung auf, erlebe pulsierende Erschütterungen.

Wenn man den Weg des Wortes Inspiration zurückverfolgt, landet man bei zwei Grundprinzipien: spirare bedeutet auf lateinisch: Atmen. Grundprinzip des Lebens. Und inspirare bedeutet ein-atmen/ein-hauchen und ist eine Bewegung, die von außen kommt. Grundprinzip der Welt: Wir sind Wesen, die von außen angestoßen werden.

Wenn Gott Adam die Seele einhaucht, dann macht er aus einem Stück Erde einen lebendigen Menschen. (Noch keinen Mann!, Mann wird Adam erst, als es eine Frau, Eva, gibt. Das wiederum ist eine andere Geschichte).

Seele- Atem- Lebendigkeit all das gehört zusammen und macht den Menschen aus. Es klingt fast banal, aber damit ist jeder Mensch etwas anderes als eine Maschine, die -einmal angestellt-, fehlerfrei läuft bis sie zu alt ist oder Bruchstellen entwickelt, die entweder noch zu kitten sind oder eben auch nicht. Letzteres ist dann das Ende.

In der griechischen Mythologie wird diese inspirierende Kraft einem Wesen zugeschrieben: Der Muse. Sie küsst und damit inspiriert sie zu künstlerischen Tätigkeiten. Sie ist eine eigenwillige Begleiterin, wenn sie einem zugetan ist, dann ist man im flow, bleibt der Kuss aus, verstockt die Lebensenergie und die Ausdrucksfähigkeit. Man wird abgeschnitten von dem, was einen lebendig macht, manche nennen dies Schreibblockade; und auch die Aufnahme von Impulsen von außen ist gestört. Die Muse lässt auf sich warten, genau so, wie der Musenkuss. (Auch hier ist die Mann-Frau Frage wichtig. Musen sind weiblich. Die Geküssten meist männlich. Das wiederum ist noch eine andere Geschichte).

Was scheint´s gar nicht geht: Auf die Muse warten und auch nicht auf das Einhauchen. Denn Atmen tun wir ja. (Manchmal schwer, aber auch daraus lässt sich Kunst machen.) Wenn es stimmt, dass wir das eine Grundprinzip der Inspiration, das Atmen schon haben, tragen wir unsere Inspiration am Leib, sie ist uns förmlich auf den Leib geschrieben. Wo genau, gilt es, zu entdecken. Der Atem ist vielleicht flacher geworden, unrhythmisch, gehetzt, aber niemals ganz weg.

 Um das Ent-decken geht es in dem zweiten Grundprinzip, der Welt: Wir sind Wesen, die von außen angestoßen werden. Welt finden wir in unserer inneren Welt oder in unserer äußeren Welt. Jede Geschichte beginnt mit einer dieser Welten, der inneren oder der äußeren.

Ich persönlich schätze es, wenn die Muse mir zuflüstert: Geh einmal raus. Dein Schreibtisch liegt nicht immer auf meinem direkten Weg. Suche dir Gesellschaft, die dich anstupst und dich auf neue Gedanken bringt.

Ich schätze es auch, wenn ich atme. Bewusst. Denn dann merke ich, was ich über Tag oft vergesse: Ich bin lebendig, keine Maschine. Und, das Beste ist: Genauso ist es gedacht! Von Gott, von einer guten Macht, die mehr in mir sieht als eine gut geölte Maschine.

Der Text ist im Rahmen der Blognacht (oder der inspirierenden Gesellschaft) bei Anna Koschinschki entstanden. Der Impuls lautete: inspirierend.

 

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